Geschichte und Hintergrundinformationen

 

"Ältestes bewahrt mit Treue, freundlich aufgefasstes Neue"

Dieser von Goethe stammende Leitspruch der vitzthumschen Ausbildung
verdeutlicht das Ziel, den Erhalt wertvoller Traditionen mit den Gewinnen neuer
Erkenntnisse zu verknüpfen. Das Kollegium unserer Schule versteht darunter die
Heranbildung von mündigen, verantwortungsbewussten Menschen, die aus der
umfassenden Kenntnis von Vergangenem und Gegenwärtigem in der Lage sein werden,
die Zukunft in Frieden, Gerechtigkeit und bewahrter Umwelt zu gestalten.

 

Woher kommt der Name Vitzthum ?
 
Im Jahre 1639 vermachte Rudolph Vitzthum von Apolda (gestorben 1639 in Dresden) in seinem Testament einen größeren Geldbetrag für die Gründung eines Gymnasiums
(86000 Gulden).

Das Stiftungskapital konnte aber aufgrund diverser Schwierigkeiten erst 190 Jahre später zur Gründung des zunächst „Blochmannsche Erziehungsanstalt“ genannten Gymnasiums auf der Großen Plaunschen Gasse in der Dresdner Seevorstadt
eingesetzt werden, das ab 1861 selbständig als „Vitzthumsches Gymnasium“ weitergeführt wurde.

1904 bezog die Schule einen Neubau an
der Dippoldiswalder Str. 9 in der Dresdner Innenstadt.

Dieses Gebäude fiel dem Bombardement am 13. Februar 1945 zum Opfer.
 
Was bedeutet der Name „Vitzthum“?
 
Vitzthum entstand aus dem Wort „Vicedominus“, zu deutsch: Stellvertreter,
und ist eine Amtsbezeichnung.
Erst später wurde aus dieser Amtsbezeichnung ein Familienname.

Welche Rolle spielten die Vitzthümer im gesellschaftlichen Leben?

Der Vicedominus Dietrich von Apolda verwaltete um 1132 (urkundliche Erwähnung) in und um Apolda den weltlichen Besitz des Bischofs von Mainz.

Rudolf Vitzthum von Apolda ist ein Nachfahre jenes Dietrich von Apolda.

1711 wurde ein weiterer Vertreter der Familie,
Friedrich Vitzthum von Eckstädt (1675 – 1726),
von August dem Starken zum Reichsgrafen ernannt.

Dem jüngsten Sohn des Grafen, Ludwig Siegfried (1716-1777), oblag unter anderem die Verwaltung der Dresdner Kurfürstlichen Sammlungen einschließlich der Gemäldegalerie und des Grünen Gewölbes im Zwinger(?) und im Japanischen Palais.

Einem weiteren Nachfahren, Heinrich Graf Vitzthum (1770-1837), wurde die Aufsicht der musikalischen Kapelle und beider Theater übertragen sowie die Berufung zum Generaldirektor der Künste und Kunstakademie zu Dresden und Leipzig zuteil.

Bis zur Machtergreifung der Nationalsozialisten haben Vertreter der Familie Verantwortung in der Öffentlichkeit getragen.

Woldemar Vitzthum (1863-1936) z.B. wurde zum Domherrn des Hochstifts Meißen gewählt, war Vorsitzender der Inneren Mission in Sachsen, Präsident der Landessynode und Vorsitzender des Deutschen Kirchentages. Er legte aus Protest angesichts der kirchenpolitischen Entwicklung 1933 alle Ämter nieder.
 
Wie kam ein Plattenbau zu diesem Namen?
 

 
Die beiden Plattenbauten auf der Paradiesstraße, 1973/74 erbaut, die zunächst die Nummern 110 und 111 erhalten hatten und sich später die stolzen Namen
„Theodor Körner“ und „Gottfried Semper“  zulegten, waren nach der Wende wieder namenlos geworden, d.h. die eine Schule aus zwei Gebäuden, nun Gymnasium, konnte
sich nicht auf einen Namen einigen – höchstens „Gymnasium Dresden Zschertnitz“.

So wäre es vielleicht auch geblieben, wenn nicht einige ältere Herren für die Weiterführung der humanistischen Tradition ihrer 1945 in Flammen aufgegangenen Schule ein geeignetes Objekt gesucht hätten und an die Tür des damaligen
Direktors, Herrn Bernd Wenzel, geklopft hätten.

Das Äußere unserer Schule hatte die Herren sicher nicht gereizt, denn das sah damals schon recht mitgenommen aus, aber der Elan, ein sowohl sprachliches als auch musisches Profil umzusetzen ohne Natur- und Gesellschaftswissenschaft zu
vernachlässigen, hat den Funken überspringen lassen und am 11. April 1994 wurde der Schule feierlich der neue Name Vitzthum – Gymnasium verliehen.

Nicht alle Blütenträume reiften, das (alt)sprachliche Profil wurde wieder entzogen. Die Schülerzahl schrumpfte – und beinahe wäre das Gymnasium geschlossen worden.

Doch ein beherzter Kampf der Eltern, Lehrer, Schüler und nicht zuletzt unserer quondam vitzthumiani führte dazu, dass die Türen des Gymnasiums geöffnet blieben.

Dass diese Türen nun doch verschlossen sind und das Gebäude leer steht, hat einen anderen Grund: Die Bausubstanz ist mürbe und bald kommt die Abrissbirne, um Platz für den neuen Bau zu schaffen.

Doch das ist schon wieder eine neue Geschichte. Siehe auch "Schulneubau".
 

Deshalb gilt oben zitiertes Motto von Johann Wolfgang Goethe

Ältestes bewahrt mit Treue, freundlich aufgefasstes Neue.

 

Wer sind quondam vitzthumiani?

„Quondam“ kommt aus dem Lateinischen und heißt „ehemalige“ und vitzhtumiani nennt man im Lateinischen Vitzthumschüler.

Es handelt sich also um Absolventen des Gymnasiums. Und weil im alten Vitzthumschen Gymnasium vor der Zerstörung 1945 nur Jungen aufgenommen worden sind, sind es bis dahin immer männliche Absolventen, die sich übrigens jährlich um den 28.12. herum treffen.

Ort und genaue Daten der Veranstaltungen werden demnächst hier aktualisiert.

Seit 1994 gibt es nun auch wieder neue quondam vitzthumiani, die treffen sich jedes Jahr am Freitagabend in der dritten Septemberwoche. Diese Treffen organisiert Frau Fleck mit ihren treuen Helfern.

Dieses Jahr (2007) wird es auch im ehemaligen Fritz-Löffler-Gymnasium, also Bernhardstr. 18 (hinter dem Hbf.) stattfinden.

Genaueres wird noch bekannt gegeben.
 

 
 

 
Künstlerisches Vermächtnis ehemaliger Vitzthum-Schüler
 
Dr. Friedrich Strüver
(1888-1966)


Arzt und Künstler
quondam vitzthumiani

Dem Engagement einer beherzten Dresdenerin ist es zu verdanken, dass das künstlerische Werk eines quondam vitzthumiani nicht in Vergessenheit geraten ist. Bereits 1995 stellte sie, Frau Ursula Baring, die den künstlerischen Nachlass des Arztes Dr. Friedrich Strüver verwaltete, in den Räumen von riesa efau, grafische Blätter für eine Ausstellung zur Verfügung. Nach Frau Barings Tod – sie starb 2002 in einem Pflegeheim – ging der Nachlass Dr. Friedrich Strüvers mit der gesamtem Sammlung der Kunstliebhaberin ein in den Fundus der Städtischen Galerie (Landhaus, Museum für Stadtgeschichte).

Einordnung des Werkes:
Friedrich Strüver ist ein Künstler, dessen Werk man schwer einordnen kann.
Eine gewisse Nähe zum Spätromantiker Alfred Kubin oder zum Veristen Otto Dix ist unverkennbar. Das Oevre Strüvers ist nicht sehr umfangreich, entstanden doch die Blätter in den Atempausen zwischen der Arbeit, denn in erster Linie war er Praktischer Arzt und Geburtshelfer .Der Künstler ist Autodidakt.

Biographisches
Um die Jahrhundertwende vom 19. zum 20.Jh. hat Friedrich Strüver das Vitzthumsche Gymnasium besucht, anschließend Medizin studiert.
1916 wurde er eingezogen in den 1. Weltkrieg als Feldarzt und zur Betreuung russischer
Gefangener. Hier zeichnet er die Motive für seine späteren Radierungen „De la Guerra“.
Auch im 2.WK wird Friedrich Strüver, obwohl er ein ausgesprochener Kriegsgegner ist,
eingezogen und nach Russland geschickt.
Wieder hat Strüver engen Kontakt mit der russischen Bevölkerung, kann vielen Menschen mit seiner Heilkunst helfen und zeichnet in jeder freien Minute, die Menschen stehen ihm gern Modell, es ist nicht nur eine Geste der Dankbarkeit.
Zeichnungen und Briefe, die er seiner Frau nach Hause schickt, belegen eine tief empfundene Sympathie für die einfachen Menschen und die Liebe zum Land „Russland- Land meiner Sehnsucht“
Den 13. Februar 1945 erlebte Dr. Strüver in Dresden. Bei der Ausübung seines Dienstes verletzte ihn ein Gesteinsbrocken am Kopf.
Nach dem Krieg entstehen keine künstlerischen Blätter mehr, aber er ist noch Jahre als angesehener Arzt in Strehlen tätig.

Die Kunst ist für Friedrich Strüver Ausdruck seines im Humanismus wurzelnden Gedankengutes, Ausdruck tiefer Menschenliebe im Kessel wahnwitziger Kriege. Sein Schaffen beweist, dass die Kunst ein Medium ist in bedrängenden, teilweise depressiven Situationen die Verzweiflung zu überwinden und die Würde zu bewahren.
 
   
 

Radierzyklus "De la Guerra"

2 Geschütze Der Heerwurm 2 Der Tod aus den Wolken
Der Sieg Mutter mit Kind Nach der Schneeschmelze
Totes Pferd am Halfter Der letzte Widerstand Raben über dem Schlachtfeld

Nach der Schlacht